Warum junge Menschen gute Erfahrungsräume - und starke Fachkräfte
Was brauchen Kinder und Jugendliche, um innerlich stark zu werden? Was hilft ihnen, mit Druck, Unsicherheit und Zukunftsängsten umzugehen? Und welche Rolle können christliche Bildungs- und Erfahrungsräume dabei spielen? Bei WERTESTARTER begleitet uns diese Frage in diesem Jahr ganz besonders. Zwei aktuelle Studien werfen darauf einen wichtigen Blick - aus unterschiedlichen Perspektiven.
Die kürzlich erschiene Trendstudie „Jugend in Deutschland 2026“ fragt danach, wie es jungen Menschen selbst geht.
Die Studie der CVJM-Hochschule richtet den Blick auf diejenigen, die junge Menschen in der christlichen Kinder- und Jugendarbeit begleiten: die hauptamtlichen Fachkräfte.
Zusammen zeigen beide Studien: Mentale Gesundheit ist kein Randthema. Sie betrifft junge Menschen ebenso wie die Menschen, die sie begleiten. Und sie hängt eng zusammen mit Beziehungen, Zugehörigkeit, Sinn, Zuversicht und tragfähigen Strukturen.
Junge Menschen stehen unter Druck
Die Trendstudie „Jugend in Deutschland 2026“ beschreibt eine junge Generation, die persönlich oft noch erstaunlich stabil wirkt, aber ihre gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zunehmend negativ wahrnimmt.
Viele junge Menschen erleben eine Gleichzeitigkeit von Krisen: internationale Konflikte, steigende Lebenshaltungskosten, angespannte wirtschaftliche Perspektiven, Wohnraummangel, Klimawandel, politische Polarisierung und Sorgen um die Zukunft des Sozialstaats.
Diese Belastungen bleiben nicht äußerlich. Sie schlagen sich im psychischen Erleben nieder. Viele Jugendliche und junge Erwachsene berichten von Stress, Erschöpfung, Selbstzweifeln, Antriebslosigkeit, Einsamkeit oder Angstzuständen. Besonders deutlich wird: Es gibt nicht die eine große Sorge, sondern eine Überlagerung vieler Themen, die zusammen ein Gefühl permanenter Überforderung erzeugen.
Auffällig ist auch, dass junge Menschen psychische Belastungen sehr bewusst wahrnehmen. Eine klare Mehrheit ist der Meinung, dass mentale Gesundheit in unserer Gesellschaft eher unterschätzt wird. Gleichzeitig bleibt der Zugang zu Unterstützung schwierig: Professionelle Hilfe wird zwar grundsätzlich positiv gesehen, aber Scham, Unsicherheit, Wartezeiten und fehlende niedrigschwellige Angebote bleiben Hürden.
Ein besonders berührender Befund betrifft das Thema Einsamkeit. Obwohl viele junge Menschen angeben, grundsätzlich soziale Kontakte und Unterstützung zu haben, erleben sie zugleich emotionale Leere und eine Sehnsucht nach echter Nähe und Verbundenheit. Genau hier liegt eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe: Junge Menschen brauchen nicht nur Informationen, Beratung oder digitale Angebote. Sie brauchen Räume, in denen sie gesehen werden, dazugehören, Verantwortung übernehmen und Hoffnung erleben können.
Auch Fachkräfte brauchen Stärkung
Die Studie der CVJM-Hochschule, die wir im letzten Newsletter bereits erwähnt haben, untersucht erstmals systematisch die mentale Gesundheit hauptamtlicher Mitarbeitender in der christlichen Kinder- und Jugendarbeit. Grundlage ist eine Online-Befragung von 1.200 Fachkräften.
Der Ausgangspunkt ist naheliegend: Wer mit Kindern und Jugendlichen arbeitet, trägt viel Verantwortung.
Pädagogische und soziale Berufe sind oft sinnstiftend, aber zugleich emotional und organisatorisch anspruchsvoll. In der christlichen Kinder- und Jugendarbeit kommt häufig eine zusätzliche Dimension hinzu: Mitarbeitende begleiten junge Menschen nicht nur pädagogisch, sondern oft auch persönlich, seelsorglich und geistlich. Sie schaffen Räume, in denen Jugendliche Orientierung, Gemeinschaft und Glauben erleben können.
Die Studie macht deutlich, dass die mentale Gesundheit der Fachkräfte eine zentrale Voraussetzung für gelingende Jugendarbeit ist. Denn junge Menschen brauchen verlässliche Erwachsene. Sie brauchen Menschen, die zuhören, aushalten, ermutigen, Grenzen setzen und Beziehung anbieten. Dafür müssen Fachkräfte selbst gestärkt werden – durch gute Strukturen, realistische Erwartungen, kollegiale Unterstützung, Leitungskultur, Fortbildung und Zeiten der Regeneration.
Eine Einordnung von Johannes Nehlsen
Zwei Perspektiven, eine Botschaft und ein Auftrag
Das Thema mentale Gesundheit ist zurzeit in aller Munde. Viele sagen: „Endlich!“ Andere empfinden die Debatte als überzogen.
Warum widmen wir uns bei WERTESTARTER diesem Thema intensiv?
Die beiden Studien zeigen: Wer junge Menschen positiv prägen und ihnen gute Werte mitgeben will, darf ihre mentale Gesundheit nicht ausblenden – und auch nicht die mentale Gesundheit derjenigen, die sie in Kitas, Schulen und in der Jugendarbeit begleiten.
Wir sind davon überzeugt, dass das Erleben und Leben christlicher Werte eine hervorragende Form mentaler Gesundheitsprävention ist. Christliche Bildungsarbeit kann hier einen entscheidenden Beitrag leisten.
Viele Menschen aus der Eltern- und Großelterngeneration, aber auch viele Verantwortungsträger (siehe auch der Erfahrungsbericht von Weihbischof T. M. Renz und Politiker S. Bilger, https://wertestarter.de/meldungen-archiv?month=2026-02), können davon aus ihrer eigenen Biografie erzählen: wie sie in der Jugendarbeit positiv geprägt wurden, wie sie erfüllende Gemeinschaft, tragfähige Werte und Verantwortungsübernahme kennengelernt haben. Und wie sie in schwierigen Zeiten die tiefe Gewissheit spüren durften, dass es etwas Größeres gibt als die Krisen dieser Welt.
Wir brauchen solche Erfahrungsräume als wichtige Schutz- und Entwicklungsräume. Orte, an denen junge Menschen erleben: Ich bin nicht allein. Ich werde gesehen. Ich darf Fragen stellen. Ich kann Verantwortung übernehmen. Ich kann Gemeinschaft erleben. Ich kann Hoffnung gewinnen. Mein Leben hat Bedeutung.
Gerade christliche Bildungsarbeit hat hier ein besonderes Potenzial. Sie verbindet Beziehung, Gemeinschaft, Wertebildung, Sinnfragen und konkrete Erfahrung. Sie spricht junge Menschen nicht nur als Lernende oder Teilnehmende an, sondern als ganze Personen – mit Körper, Seele, Verstand, Geschichte, Sehnsucht und Zukunft.
Das gelingt aber nur, wenn junge Menschen in solchen Einrichtungen auf starke und authentische Vorbilder treffen. Deshalb kann uns die Bestandsaufnahme der CVJM-Hochschule zur mentalen Gesundheit der Mitarbeitenden in der Jugendarbeit nicht kaltlassen. Gerade weil Gemeinschaft für junge Menschen so wichtig ist, weil viele sich einsam fühlen und sich nach echten Beziehungen sehnen, braucht es Mitarbeitende an ihrer Seite, die sie in einer wichtigen Lebensphase gut begleiten und ihnen den christlichen Glauben als haltgebende Basis vorleben. Dafür brauchen wir mental gesunde Mitarbeitende.
Mentale Gesundheit in der Jugendarbeit betrifft deshalb immer beide Seiten: die jungen Menschen und diejenigen, die sie begleiten. Genau in diese beiden Bereiche investieren wir bei WERTESTARTER: Wir helfen Gründerinnen und Gründern, Erfahrungsräume christlicher Werte zu starten. Und wir stärken Mitarbeitende in Kita, Schule sowie Jugend- und Sozialarbeit durch Ermutigung, Coaching, Weiterbildung und Vernetzung.
Wo beides gelingt, geschieht das, was wir in unserem Wirkungskreislauf als den Impact beschrieben haben, den wir mit unserer Arbeit erreichen wollen:
„Kinder und Jugendliche werden starke Persönlichkeiten und leben christliche Werte. Sie gestalten aktiv ihr Umfeld, übernehmen Verantwortung und beeinflussen die Gesellschaft positiv.“
Das ist für uns eine der besten Formen mentaler Gesundheitsprävention!